Schiefhals – Torticollis spasmodicus

Seit Juni 1988 haben wir über 200 Patienten an einem Torticollis mittels der selektiven peripheren denervierung operiert. Die Ergebnisse der Operation sind durch Selbsteinstufung der Patienten entstanden. Folgende Kriterien wurden abgefragt: Benotung des Gesamtergebnisses (Kopfstellung, Schmerz, ggf. Nebenwirkungen) der OP von 1 (sehr gut) bis 6 (Verschlechterung), Ausmaß der Gesamtbesserung in % und „Würde sich der Patient retrospektiv nochmals operieren lassen ?“ Als Erfolg wurde die OP nur dann gewertet, wenn der Patient sich mit der Note 1 – 3 bewertete, einer Besserung von > 50 % angab und sich – unter Kenntnis der Erfolgs – nochmals operieren lassen würde Zum Vergleich wurden auch eine sog. „objektive“ Bewertungsskala (Toronto Western Spasmodic Torticollis Rating Scale TWSTR) herangezogen.

Insgesamt sind 74 % unserer Patienten mit dem OP-Ergebnis zufrieden, nicht zufrieden sind 26 %. Ein deutlicher Unterschied ergibt sich beim Ergebnis, je nach dem, ob Botulinumtoxin vorher geholfen hat oder nicht. Von den sekunären Nonrespondern (d.h. Botox hat anfänglich geholfen) waren 81 % zufrieden, von den primären Nonrespondern (d.h. Botox hat nie geholfen) nur 64 %. Die „objektive“ TWSTR Bewertungsskala (0 = kein Torticollis, 85 = schwerster Torticollis) hat im Vergleich zur Selbsteinschätzung sogar ein besseres Ergebnis erbracht. Beispielsweise schätze ein Patient die OP subjektiv zwar als Misserfolg ein, verbesserte sich aber auf der TWSTR-Skala von 64 auf 37 Punkte. Andererseits zeigten nur die sehr zufriedenen Patienten eine signifikante Punktereduktion.

Gravierende Komplikationen sind bislang nicht aufgetreten. Von allen operativen Verfahren zur Behandlung des Torticollis spasmodicus ist die selektive periphere Denervierung das bislang einzige Verfahren mit erfolgversprechenden Resultaten auch nach langer Nachbeobachtungszeit bei gleichzeitig geringem operativem Risiko. Eine Indikation zur operativen Therapie besteht nur dann, wenn Botulinumtoxin nicht (oder nicht mehr) wirkt. Sekundäre Botulinumtoxin non-responder haben eine besser Erfolgsaussicht als primäre, bei generalisierten Dystonien ist dagegen primär eine deep brain stimulation indiziert.