Spinalkanalstenose – Wenn Nerven unter Druck geraten
Eine Spinalkanalstenose entsteht, wenn sich der Wirbelkanal in der Wirbelsäule verengt und dadurch Druck auf die darin verlaufenden Nerven ausgeübt wird. Diese Einengung kann Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Schwäche in Armen oder Beinen verursachen. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen, da die Verengung meist durch altersbedingte Verschleißerscheinungen entsteht.
Typisch ist, dass die Beschwerden vor allem beim Gehen oder längeren Stehen auftreten und sich in Ruhe oder bei nach vorn geneigter Haltung bessern. Betroffene müssen beim Gehen häufiger Pausen einlegen, weshalb diese Symptomatik oft mit dem Begriff „Schaufensterkrankheit“ beschrieben wird. Abhängig davon, ob die Halswirbelsäule (HWS) oder die Lendenwirbelsäule (LWS) betroffen ist, zeigen sich die Symptome in unterschiedlichen Körperregionen. Die Neurochirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Veit Braun ist auf die Behandlung von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen wie der Spinalkanalstenose spezialisiert und unterstützt Sie mit einer individuellen Behandlung.
Ursachen: Wie entsteht eine Spinalkanalverengung?
In den meisten Fällen handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Spinalkanalstenose, die durch natürliche Abnutzungsprozesse im Laufe des Lebens entsteht. Zu den häufigsten Ursachen zählen Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, Bandscheibenvorwölbungen, verdickte Bänder sowie Verknöcherungen im Bereich der Wirbelsäule. Auch ein Bandscheibenvorfall kann zur Einengung führen. Deutlich seltener ist die primäre Form, bei der der Wirbelkanal bereits von Geburt an enger ist. Zu den Risikofaktoren zählen neben dem Alter auch eine einseitige körperliche Belastung, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie genetische Veranlagung. Viele dieser Faktoren lassen sich jedoch positiv beeinflussen – zum Beispiel durch gezielte Bewegung oder ein rückenfreundlicheres Verhalten im Alltag.
Symptome: Was Betroffene spüren
Die Beschwerden unterscheiden sich danach, welcher Bereich der Wirbelsäule betroffen ist. Bei einer Spinalkanalstenose der LWS treten Schmerzen vor allem beim Gehen oder Stehen auf. Die Beschwerden strahlen häufig in die Beine aus und gehen mit einem Gefühl von Schwäche, Taubheit oder Gangunsicherheit einher. Im Sitzen oder beim Vorbeugen lassen die Schmerzen typischerweise nach. Bei einer Stenose im Bereich der HWS hingegen klagen Patientinnen und Patienten über Kribbeln, Kraftverlust oder Bewegungseinschränkungen in den Armen oder Händen.

Diagnose: So stellen wir die Spinalkanalstenose fest
Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und eine körperliche Untersuchung mit neurologischer Testung. Anschließend kommen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) oder – falls erforderlich – die Computertomografie (CT) zum Einsatz. Diese Verfahren erlauben eine genaue Beurteilung des Spinalkanals und der betroffenen Nervenstrukturen. In einigen Fällen kann auch eine Elektromyografie (EMG) sinnvoll sein, bei der die elektrische Leitfähigkeit der Nerven gemessen wird.
Konservative Therapie: Beschwerden ohne Operation lindern
In vielen Fällen ist keine Operation notwendig. Ziel der konservativen Therapie ist es, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Dabei können etwa entzündungshemmende Medikamente, gezielte Physiotherapie, Wärmeanwendungen sowie Injektionen mit kortisonhaltigen Präparaten zur Anwendung kommen. Besonders wirkungsvoll ist die Bewegungstherapie, bei der bestimmte Übungen die Wirbelsäule entlasten und stabilisieren. Drei Übungen haben sich dabei besonders bewährt:
- Nackendehnung bei HWS-Stenose: Kopf zur Seite neigen und die gegenüberliegende Nackenmuskulatur dehnen.
- Knie-zur-Brust-Übung: Im Liegen ein Knie zur Brust ziehen, um Gesäß- und Rückenmuskulatur zu dehnen.
- Bauchpressen: Durch gezieltes Anspannen der Bauchmuskeln im Liegen wird die Rumpfstabilität verbessert.
Operative Behandlung: Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen
Sollten konservative Behandlungsmethoden nicht den gewünschten Erfolg bringen oder neurologische Ausfälle auftreten, kann eine Operation notwendig werden. Im Diakonie Klinikum Jung-Stilling setzen wir dabei auf minimalinvasive Verfahren – sogenannte Schlüsselloch-Operationen, die wir in einem modernen Hybrid-OP durchführen. Dabei wird der Spinalkanal schonend erweitert, ohne umliegendes Gewebe stark zu belasten. Diese Methode ist vergleichsweise risikoarm, fördert eine schnelle Mobilisation und geht verringert das Risiko für Infektionen oder Nervenverletzungen.
Ganzheitlicher Ansatz: Ergänzende Therapien und Prognose
Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie können Akupunktur oder Yoga helfen, Verspannungen zu lösen und das Körpergefühl zu stärken. Beide Methoden können unterstützend zur Linderung von Beschwerden und zur Stabilisierung des Therapieerfolgs beitragen. Der Verlauf der Spinalkanalstenose ist in der Regel schleichend, kann aber durch eine frühzeitige und individuell abgestimmte Behandlung gut kontrolliert werden. Viele Patientinnen und Patienten erreichen mit einer Kombination aus konservativer Therapie, gezielter Bewegung und einer auf die Erkrankung eingestellten Lebensweise eine deutliche Besserung ihrer Lebensqualität.