Infektionskrankheiten

Der alte Ausspruch „die Wahl zwischen Pest und Cholera haben“ zeigt, dass Infektionskrankheiten schon immer lebensbedrohliche Ereignisse waren. Schon in altägyptischen Mumien konnten Tuberkulose und Malaria nachgewiesen werden. Anfangs waren Infektionserkrankungen regional begrenzt, der überregionale Handel und die militärische Expansion haben dazu geführt, dass Pandemien entstehen konnten. Viele Infektionen sind vom Tierreich auf den Menschen übergesprungen ist. Ebola, HIV, Hühner- und Schweinegrippe und nun Corona sind Beispiele dafür.

Die erste geschichtlich belegte Pandemie wütete von 1346 bis 1353 für 7 Jahre in Europa, mit über 25 Millionen Pesttoten starb ein Drittel der damaligen Bevölkerung. Das ursprüngliche Reservoir dieser Bakterien ist im Karakorum und dem Himalaya. Der sog. schwarze Tod reiste mit den Flöhen auf der Seidenstraße mit nach Venedig. Auch die Pocken verbreiteten sich über den Handel und die römischen Legionen weltweit.

Warum gab es so lange keine Pandemie mehr?

Dass wir nun für 100 Jahre von Pandemien verschont blieben, hat drei Hauptgründe:

  1. Bakterielle Infektionen wie Pest und Cholera können erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden (Penicillin wurde 1928 durch Alexander Fleming entdeckt), zunehmende Antibiotikaresistenzen machen hier aber Sorge (Tuberkulose)
  2. Gegen virale Erkrankungen wie Pocken, Tollwut, Hepatitis, Corona usw. gibt es bislang kaum den Antibiotika vergleichbare Medikamente, hier haben uns die Impfungen geschützt
  3. Nicht immer führen lokale Infektionsgeschehen zu weltweiten Massenausbrüchen, Ebola bleibt bislang auf den zentralafrikanischen Tropengürtel beschränkt. Bei HIV sind die Infektionswege leichter zu unterbrechen, trotzdem hat es sich weltweit verbreitet. Die Hühner- und Schweinegrippe waren glücklicherweise weniger infektiös wie zunächst befürchtet, ebenso wie die ersten Coronainfektionen 2003 mit SARS Cov 1 in China und MERS Cov 2012 auf der arabischen Halbinsel.

Was macht eine Impfung mit uns?

1796 entdeckte Edward Jenner, dass eine vorausgegangene Infektion mit Kuhpocken den Ausbruch der menschlichen Pocken verhindert. Dies war die erste erfolgreiche Impfung, daher auch das Wort Vaccination von dem lateinischen vacca für „Kuh“. 1871 brach in Deutschland eine Pockenepidemie mit 180.000 Toten aus, Otto von Bismarck führte daher 1874 eine Impfpflicht ein. Letztlich hat dies zur Ausrottung der Pocken geführt, gleiches gilt für die Kinderlähmung. Mit Beginn der Impfung 1961 ging diese Infektion in den USA um 95% zurück, in Deutschland herrschte Impfskepsis, was zu vielen Erkrankungen führte, auch heute noch sehen wir Patienten von damals mit verbliebenen Lähmungen.

Das Ideal der sanften Medizin baut ja im Wesentlichen auf die Selbstheilungskräfte der Natur. Der Begriff „rein pflanzlich“ wird von vielen mit „gesund und verträglich“ gleich gesetzt, obwohl viele schlimme Gifte (Knollenblätterpilz, Tollkirschen) rein pflanzlich sind. „Chemie“ wird hingegen mit Nebenwirkungen und Schädigung unseres Körpers assoziiert.

Impfungen hatten es schon immer schwer, Akzeptanz zu finden. Dies liegt daran, dass man völlig Gesunde vorbeugend impft, damit sie nicht krank werden. Wenn Nebenwirkungen auftreten, findet beim Geimpften tatsächlich eine Verschlechterung zum ursprünglichen Zustand statt. Ist man hingegen bereits schwer erkrankt, werden die Nebenwirkungen der oft wochenlang einzunehmenden Medikamente leichter akzeptiert, um wieder gesund zu werden.

Während also die Therapie einer Erkrankung darauf aufbaut, dass unserem Körper Fremdstoffe zugeführt werden, um Krankheitserreger zu bekämpfen, setzt die Impfung auf die körpereigenen Selbstheilungskräfte.

Das funktioniert wie folgt: wenn unser Körper mit krankmachenden Keimen in Kontakt kommt, werden diese von unseren Abwehrstoffen, u.a. den Antikörpern, bekämpft. Auf der Zelloberfläche von Bakterien und Viren befinden sich Eiweißstoffe (Proteine), die als fremd erkannt und dann durch unsere Antikörper zerstören werden. Im Idealfall wird der Keim dadurch unwirksam oder zumindest so geschwächt, so dass wir nur mild erkranken. Dies braucht aber eine gewisse Zeit, während der die Keime weiterhin erheblichen Schaden anrichten können, bei manchen Infektionen (wie Tollwut) ist das immer tödlich. Mit einer Impfung werden diese Antikörper aber schon vorher gebildet, sobald wir mit dem Keim in Kontakt kommen, wird dieser ohne Zeitverzug bekämpft und rettet uns die Gesundheit und das Leben.

Eine Impfung verhindert aber nicht, dass wir uns infizieren können. Das Virus sagt ja nicht „uih, der ist geimpft, den lass´ ich in Ruhe“, die Impfung reduziert aber das Risiko erheblich, schwer zu erkranken oder sogar zu sterben. „Impfdurchbrüche“ sind also nichts Besonderes, sondern völlig normal. Wie oft es dazu kommt, hängt von der Wirksamkeit des einzelnen Impfstoffs ab. Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) liegt er bei 98 %, bei Grippe nur bei 60%.

Sind alle Impfungen gleich?

Hinter jeder Impfung steckt die Idee, unserem Körper VOR einer Erkrankung das für den Keim typische Fremdeiweiß zu präsentieren, damit wir vorab Antikörper bilden. Anfangs hat man lebende Keime genommen und versucht diese so abzuschwächen, dass sie uns nicht krank machen. Der nächste Schritt waren Totimpfstoffe, bei denen zwar der ganze Keim geimpft wird, dieser aber vorher funktionslos gemacht wurde. Moderne Impfstoffe beinhalten nur noch Teile des Keims, gegen die die Hauptantikörperreaktion in unserem Körper abläuft. Somit kann bei ALLEN Impfungen mit Ausnahme der Lebendimpfstoffe die Erkrankung selbst NICHT ausgelöst werden. Hauptrisikofaktoren sind allergische Reaktionen. Da die Impfstoffe nach kurzer Zeit vom Körper abgebaut und eliminiert werden, sind die immer wieder diskutierten Langzeitnebenwirkungen nahezu ausgeschlossen. Nebenwirkungen im engen zeitlichen Zusammenhang mit den Impfungen sind möglich, bei allen zugelassenen Impfstoffen (also auch den mRNA Impfstoffen) sind diese aber extrem viel seltener, als die Risiken einer möglichen Infektion mit dann all ihren Symptomen und Langzeitfolgen (long covid).

Lebendimpfstoffe: hier wird der Original-Erreger geimpft, der durch verschiedene Verfahren so weit abgeschwächt ist, dass er nur noch sehr selten die Krankheit hervorrufen kann. Daher werden diese Impfstoffe nur noch selten verwendet: Gelbfieber, Mumps/Masern/Röteln und Typhus oral
Totimpfstoffe: hier wird der Original-Erreger geimpft, der chemisch (z.B. Formalin) abgetötet wurde: Sinovac, Hepatitis A, Polio, Cholera, Tollwut, FSME, Japanische Encephalitis
Vektorimpfungen: hier werden Teile des Erregers (bei Corona das spike Protein) auf andere Viren „verpflanzt“: AstraZeneca, Johnson&Johnson, Sputnik V, aber auch Zebov gegen EBOLA
Spaltimpfstoffe: hier wird der Erreger „zerkleinert“ und die Einzelteile geimpft (Grippe)
Toxoidimpfstoffe: Bakterien können Gifte (Toxine) produzieren, die krank machen (z.B. Tetanustoxin, Botulinumtoxin, Diphterietoxin), diese werden inaktiviert und geimpft.
Subunitimpfstoffe: hier wird nur ein Teil des Erregers (also ein bestimmtes Antigen) geimpft, dies kann entweder durch Zerkleinerung des Erregers und dann Herausfiltern des Antigens erfolgen, oder dadurch, dass die DNA des Erregers in Hefezellen eingeschleust und von diesen dann produziert wird. Dann spricht man von rekombinanten Impfstoffen. Sind diese konjugiert, heißt das, dass das Antigen noch an ein Eiweiß gekoppelt wurde, um die Wirkung zu verstärken: Hepatitis B, Grippe, Gürtelrose, Meningokokken, Pneumokokken (hier spricht man auch von Polysaccharidimpfstoff nach dem Namen der verwendeten Teile)
mRNA Impfstoffe: wie das spike Protein des Coronavirus aussieht, ist in der DNA gespeichert (sozusagen die Bibliothek). Diese „Bücher“ dürfen aber nicht ausgeliehen werden, deswegen werden von den Seiten, die aktuell interessieren, Fotokopien gemacht, diese heißen in der Zellbiologie mRNA. Anhand dieses fotokopierten Bauplans können unsere eigenen Zellen das Protein herstellen, NICHT aber ein ganzes Virus. Auch wenn DNA und mRNA ähnlich klingt, hat das nichts miteinander zu tun, Haus und Maus klingt auch ähnlich ohne dass ein Zusammenhang besteht. DNA (Desoxyribonukleinsäure) hat als Zuckerbaustein Desoxyribose, RNA (Ribonukleinsäure) Ribose. Beide haben zwar als Basen Adenin, Cytosin und Guanin. Bei der vierten Base hat die DNA Thymidin, die RNA aber Uracil. DNA liegt grundsätzlich als Doppelhelix (Doppelstrang) vor, die mRNA im Impfstoff als Einfachstrang. Deshalb geht es technisch gar nicht, mit mRNA Genveränderungen beim Menschen zu erzielen. Sie bekommen auch kein 1“ Rohr auf ein 12“ Rohr geschraubt, nur weil es beides Rohre sind. mRNA zerfällt innerhalb kurzer Zeit von selbst.

Coronaimpfstoffe:

Beim aktuellen Coronavirus (SARS Cov 2) ist das sog. spike Protein, mit dem das Virus an unsere Zellen andockt, das Ziel unserer körpereigenen Abwehr. Daher sind alle Impfstoffe darauf ausgerichtet, unsere körpereigenen Abwehrstoffe mit diesem spike Protein zu konfrontieren. Aktuell sind 3 verschiedene Impfstoffe entwickelt worden. Die chinesischen Impfstoffe sind Totimpfstoffe (Sinopharm, Sinocav). Für diese chinesischen Impfstoffe ist in Europa und den USA bislang noch nicht einmal eine Zulassung beantragt, über deren Wirksamkeit gibt es keine wissenschaftlich publizierte Information. Der französisch-österreichische Impfstoff Valneva wird ebenfalls ein klassischer Totimpfstoff, ob und wann er zugelassen wird, ist derzeit nicht bekannt. Bei AstraZeneca (Vaxzevria®), Johnson&Johnson (Covid-19 Vaccine Janssen®) sowie dem russischen Sputnik V sind die spike Proteine auf andere, nicht krankmachende Viren künstlich verpflanzt worden (Vektorimpfstoffe). BioNTech (Comirnaty®) und Moderna (Spikevax®) enthalten dagegen nur den Bauplan (mRNA) für das spike Protein, was unser Körper dann kurzeitig selbst produziert. mRNA Impfstoffe schützen zu 95 % vor schweren Erkrankungen, zu 70% sogar vor weniger gravierenden Symptomen. Sie gehören somit zu den wirksamsten Impfstoffen überhaupt. Das noch nicht zugelassene Novavax ist kein klassischer Totimpfstoff, auch wenn dies immer so geschrieben wird, sondern tatsächlich ein rekombinanter Subunit-Eiweißimpfstoff, bei dem letztlich künstlich erzeugte spike Proteine injiziert werden.

Sicherheit

Während für die Zulassung eines Impfstoffs ca. 50.000 Testimpfungen durchgeführt werden, sind inzwischen über 600 Millionen Impfungen mit mRNA Impfstoffen durchgeführt worden, diese sind daher die bestgetesteten Impfstoffe, die es je gegeben hat und höchst wirksam. Die Erfahrungen mit mRNA Impfstoffen sind daher 10.000 mal höher als mit Novavax, wenn dies zugelassen wird. Einen rationalen Grund, auf Novavax zu warten, gibt es daher nicht, zumal es nicht der von manchen erhoffte Totimpfstoff, sondern ein Subunitimpfstoff ist.

Warum muss man boostern?

Viren können sich leider rasch verändern, Corona zeigt uns das eindrücklich von alpha über delta bis aktuell omikron. Dieser Teufelskreis kann nur unterbrochen werden, wenn wir weltweit eine hohe Impfquote erreichen. Ein Schutz kann entweder durch adaptierte Impfstoffe erreicht werden oder durch hohe Antikörperspiegel. An neuen Impfstoffen wird gearbeitet, der Antikörperspiegel wird durch booster erhöht.

Kann ich nicht auf die neuen Medikamente warten?

Wenn Sie Sorge vor dem Impf-Fremdstoff haben, bedenken Sie: wenn Sie schwer erkranken, bekommen Sie an wochenlang große Mengen Medikamente mit deutlich mehr Nebenwirkungen, als mit einer einzigen Impfung. Auch das neue Medikament Paxlovir® von Pfizer (Notfallzulassung kurz vor Weihnachten 2021 in den USA) muss längere Zeit eingenommen werden. Neben dem Wirkstoff Ritonavir, der schon länger bei der HIV Behandlung eingesetzt wird, enthält es einen weiteren sog. Proteaseninhibitor , dem Nirmatrelvir. Dies hemmt lebenswichtige Enzyme des Coronavirus, Ritonavir verstärkt die Wirkung. Nebenwirkungen können Muskelschmerzen, Bluthochdruck, Durchfall, Störungen des Geschmackssinns und Leberschäden sein. Der Vorteil dieses neuen Medikaments ist, dass es als Tablette und somit zu Hause eingenommen werden kann.

Ausblick:

mRNA Impfstoffe wurden primär zur Krebstherapie erforscht. Die Idee war, dass sich Krebszellen von normalen Zellen an der Oberfläche unterscheiden, diese spezifischen Eiweißstoffe der Tumorzelle werden auch durch mRNA Baupläne beschrieben. Der Körper entwickelt Antikörper gegen den eigenen Tumor. Im Gegensatz zu einer vorbeugenden Impfung wird hier aber bereits der schwer erkrankte Mensch behandelt, dessen Abwehr bereits deutlich geschwächt ist. Zudem muss für jeden Patienten wohl individuell eine mRNA gebaut werden. Daher hat diese seit 20 Jahren existierende Forschung erst mit Corona den Durchbruch gefunden. Zukünftig besteht die Hoffnung, nun auch für andere schwere Erkrankungen Impfstoffe entwickeln zu können (Malaria, Krankenhauskeime). Es ist höchst wahrscheinlich, dass auch in Zukunft neue Infektionskrankheiten, die Menschen bedrohen werden, Ebola weltweit möchte man sich gar nicht vorstellen. Zum Glück gibt die mRNA Technik auch hier Hoffnung, dass dann rasch reagiert werden kann.

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