Neurochirurgie

 

Die Neurochirurgie gehört zu den chirurgischen Disziplinen und ist daneben eng mit der Neurologie verwandt. Sie ist die medizinische Fachrichtung, in der Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems vorrangig operativ behandelt werden. Es umfasst darüber hinaus die zugehörige Diagnostik und Nachsorge inklusive Rehabilitation.

 

Zum Nervensystem zählen Gehirn und Rückenmark sowie die daraus entspringenden Nerven, die den Körper bis in die Peripherie durchziehen. Aufgrund ihrer engen anatomischen Verbindung werden in der Neurochirurgie ebenfalls die bindegewebigen Hüllen des Nervengewebes und angrenzende Knochen, wie der Schädel und die Wirbelsäule, behandelt.

 

Geschichte der Neurochirurgie

 

Trotz Funden aus der Steinzeit, die auf bereits damals erfolgreich durchgeführte Hirnoperationen hindeuten, ist die Neurochirurgie als eigenständiges Fach relativ jung. Erst mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 durch Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg war die Möglichkeit geschaffen, von außen ins Gehirn zu blicken.  Harvey Cushing hatte 1912 die Leitung der Neurochirurgie in Boston übernommen. 1924 wurde Herbert Olivecrona am Karolinskainstitut in Stockholm neurochirurgischer Leiter. Der erste entsprechende deutsche Fachbereich wurde 1934 durch Wilhelm Tönnis in Würzburg eröffnet. Die Ausbildung zum Facharzt für Neurochirurgie nimmt mindestens sechs Jahre in Anspruch.

 

Die Erfolgsquote der modernen Neurochirurgie ist aus verschiedenen Gründen im Vergleich zu früher wesentlich höher. Neben optimierten hygienischen Bedingungen benötigen Neurochirurgen heutzutage dank mikrochirurgischer Techniken immer kleinere Zugänge zum Operationsgebiet. Aussagekräftige bildgebende Verfahren erlauben ein sehr präzises Operieren und helfen ebenfalls, das OP-Gebiet möglichst klein zu halten. Dank dieser Voraussetzungen verzeichnen Neurochirurgen heute vergleichsweise kurze Heilungszeiten und geringe Komplikationsraten.

 

Diagnostik in der Neurochirurgie

 

Unverzichtbar und Meilensteine in der neurochirurgischen Diagnostik sind bildgebende Verfahren, wie die 1971 von Godfrey Hounsfield entwickelte Computertomographie (CT) und kurz darauf von Peter Mansfield und Paul Lauterbur die Magnetresonanztomographie (MRT). Zusammen mit Anamnese, körperlicher Untersuchung und weiteren elektrophysiologischen  Diagnostikinstrumenten dienen sie der optimalen OP-Vorbereitung. Neuere Verfahren, wie die optische Kohärenztomographie, erlauben gar eine Darstellung von Körpergewebe auf mikroskopischer Ebene. Mustererkennungs-KI’s können nun In wenigen Minuten 3D Rekonstruktionen von individuellen Patientengehirnen erstellen und diese mit augmented reality Brillen zur OP Planung in der Raum projizieren.

 

Neurochirurgische Therapie

 

In die neurochirurgischen OP-Säle zieht mehr und mehr Hightech-Ausstattung ein, was die Möglichkeiten für präzises, gewebeschonendes und funktionserhaltendes Operieren immer weiter verbessert. Mit der computergestützten Neuronavigation orientieren sich die Neurochirurgen im Körper des Patienten, ohne dafür eine große Körperöffnung zu benötigen.

Neben dem inzwischen selbstverständlichen Einsatz bildgebender Verfahren während des Eingriffs kommen Operationsmikroskope mit head up displays und Fluoreszenztechniken zur Anwendung. Die funktionelle MRT und das diffusion tensor imaging DTI zeigen, wo Gehirnfunktionen lokalisiert sind.  Somit kann das OP-Gebiet leicht aufgefunden und gesundes von krankem Gewebe sorgfältig abgegrenzt werden.

 

Im Bereich des Schädels werden Tumoren, Blutungen und Fehlbildungen operiert. Die Therapie von Schädel-Hirn-Traumata gehört ebenfalls zum Arbeitsbereich der Neurochirurgen. Bandscheibenvorfälle und knöcherne Einengungen an der Wirbelsäule können auf benachbart gelegene Nervenstränge drücken und werden daher auch von Neurochirurgen operiert. Durch die Wirbelkörper zieht das Rückenmark vom Kopf bis in den unteren Rücken. Im Rückenmark und den umgebenden Strukturen können ebenso behandlungsbedürftige Tumoren, Fehlbildungen oder Verletzungen vorkommen.

 

Weitere neurologische Erkrankungen und Symptome lassen sich in ausgewählten Fällen durch neurochirurgische Eingriffe bessern. Beispiele sind Shuntsysteme bei Hydrozephalus, Epilepsiechirurgie oder Hirnimplantate bei der Parkinson-Krankheit. Periphere Nerven müssen gelegentlich ebenfalls operiert werden. Häufig trifft das etwa auf einen in Handgelenknähe eingeengten Nervus medianus zu, das sogenannte Karpaltunnelsyndrom. Auch anderenorts können Nerven bedrängt oder beschädigt werden, etwa durch Tumoren oder Verletzungen.

 

Nach neurochirurgischen Eingriffen sind in der Regel Nachsorgeuntersuchungen erforderlich, die von Ärzten des Fachgebietes übernommen werden. An bestimmte Operationen schließt sich idealerweise eine neurochirurgische Rehabilitation an, um das Funktionsniveau der Betroffenen bestmöglich zu verbessern.

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