Wenn Nervenzellen aus dem Gleichgewicht geraten
Ein Schwannom – auch Neurinom oder Schwannoma genannt – ist ein gutartiger Tumor, der aus den sogenannten Schwann-Zellen entsteht. Diese speziellen Zellen bilden die schützende Hülle der Nervenfasern und sorgen dafür, dass elektrische Signale ungestört weitergeleitet werden. Wenn diese Schwann-Zellen beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren, kann ein Schwannom Tumor entstehen. Doch warum passiert das überhaupt?
Die Antwort ist komplex. Wissenschaftlich gilt: Die Entstehung eines Schwannoms ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere bekannte Faktoren, die eine Rolle spielen können. In der Neurochirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen wird Patientinnen und Patienten erklärt, welche biologischen Prozesse vermutlich beteiligt sind und warum diese Tumoren meist gutartig verlaufen.
Was passiert bei der Entstehung eines Schwannom Tumors?
Schwann-Zellen sind ein wichtiger Bestandteil des peripheren Nervensystems. Sie bilden die sogenannte Myelinschicht, die Nervenfasern schützt und isoliert. Wenn eine dieser Zellen aufgrund einer genetischen Veränderung ihre normale Teilungsrate verliert, kann sie beginnen, sich zu vermehren. Es entsteht eine umschriebene Zellansammlung – ein Schwannom.
Dieser Prozess läuft meist sehr langsam ab. Der Tumor wächst verdrängend, greift aber nicht in umliegendes Gewebe ein. Dadurch bleiben Schwannome häufig lange unbemerkt. Erst wenn der wachsende Tumor auf Nervenstrukturen drückt, treten Symptome auf, wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schwindel.
Spontane Schwannome – die häufigste Form
In den meisten Fällen entsteht ein Schwannom spontan, das heißt ohne erkennbare äußere Ursache oder familiäre Vorbelastung. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem sporadischen Schwannom. Hierbei verändert sich das Erbgut einer einzelnen Schwann-Zelle zufällig, wodurch ein unkontrolliertes Zellwachstum ausgelöst wird.
Diese Art des Schwannoms tritt meist nur einmalig auf und betrifft einen einzelnen Nerv. Häufig ist der Tumor harmlos und wächst so langsam, dass über Jahre keine Symptome bemerkt werden. Erst wenn er eine bestimmte Größe erreicht, können Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen entstehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass spontane Schwannome die Regel sind. Sie machen den größten Teil aller Diagnosen aus und sind in den allermeisten Fällen gut behandelbar.
Genetische Ursachen – wenn das Erbgut mitwirkt
In seltenen Fällen entsteht ein Schwannom Tumor nicht zufällig, sondern aufgrund einer genetischen Veränderung, die vererbt werden kann. Besonders zwei Krankheitsbilder sind hier bekannt:
1. Neurofibromatose Typ 2 (NF2):
Diese seltene Erbkrankheit führt dazu, dass Betroffene häufig mehrere Schwannome entwickeln, insbesondere an den Hör- und Gleichgewichtsnerven. Typisch sind beidseitige Vestibularis-Schwannome, die zu Hörminderung oder Tinnitus führen können. Ursache ist eine Mutation im sogenannten NF2-Gen, das für die Kontrolle des Zellwachstums zuständig ist.
2. Schwannomatose:
Auch hierbei handelt es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung. Anders als bei NF2 treten die Tumoren meist außerhalb des Schädels auf, beispielsweise entlang der Wirbelsäule oder an den Gliedmaßen. Die zugrunde liegenden Mutationen betreffen Gene, die ebenfalls die Zellteilung regulieren.
Diese genetischen Ursachen sind sehr selten, zeigen jedoch, dass Veränderungen im Erbgut die Entstehung von Schwannomen begünstigen können. Für Betroffene solcher Erkrankungen empfiehlt sich eine spezialisierte neurochirurgische Betreuung, um frühzeitig geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Kein Einfluss von Lebensstil oder Verhalten
Ein Schwannom entsteht nicht durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Stress oder andere Lebensgewohnheiten. Auch der Gebrauch von Mobiltelefonen steht nicht in einem nachgewiesenen Zusammenhang mit der Bildung solcher Tumoren. Das bedeutet, dass Betroffene keine persönliche „Schuld“ an der Entstehung tragen.
Ein Schwannom ist ein biologisch zufälliges oder genetisch bedingtes Ereignis. Es gibt keine bekannten vorbeugenden Maßnahmen, da die Prozesse, die zur Zellveränderung führen, auf molekularer Ebene stattfinden und meist außerhalb unseres Einflusses liegen.
Warum Schwannome gutartig sind
Obwohl es sich bei einem Schwannom um eine Zellwucherung handelt, ist der Tumor in fast allen Fällen gutartig. Das bedeutet, er wächst langsam und dringt nicht in umliegendes Gewebe ein. Der Grund liegt in der Struktur der Schwann-Zellen selbst. Diese Zellen bilden eine schützende Hülle, die auch im Tumor erhalten bleibt und das Wachstum auf einen klar abgegrenzten Bereich beschränkt.
Dadurch lassen sich Schwannome in der Regel chirurgisch vollständig entfernen. Eine bösartige Entartung ist äußerst selten. In der Neurochirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen werden solche Eingriffe mit mikrochirurgischen Techniken durchgeführt, um die Funktion des betroffenen Nervs bestmöglich zu erhalten.
Hinweis / Disclaimer
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Verdacht auf eine Erkrankung wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt, vorzugsweise an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Neurochirurgie. Trotz sorgfältiger Erstellung kann keine Gewähr für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben übernommen werden.






